Pflege der Zukunft

Bärbl Mielich

Offen gesprochen am 27.11.2018,

Text von Annette Gast-Prior

Pflege braucht mehr Wertschätzung


Staatssekretärin Bärbl Mielich stellte sich in Heilbronn der Diskussion zur Zukunft der Pflege

Die Zukunft der Pflege  -  ein Thema, das viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen beschäftigt: Diejenigen, die Pflege schon jetzt oder künftig brauchen, diejenigen, die Pflege in allen Facetten leisten, die Menschen, die sie anbieten und verwalten und die, die sich politisch damit beschäftigen wie Staatssekretärin Bärbl Mielich. Die Landtagsabgeordnete Susanne Bay und der Grüne Ortsverband Heilbronn luden Interessierte ein, mit der Vertreterin des baden-württembergischen Sozialministeriums zu diskutieren. „Offen gesprochen“ wurde dabei im Arkus: Über die gar nicht neue und historisch begründete mangelnde Anerkennung von Pflegeberufen und die Bemühungen, hier gegenzusteuern, zum Beispiel durch eine künftig generalistisch organisierte Pflegeausbildung. Über die Grüne Vision, dass unser Arzt-zentriertes Gesundheitssystem sich wandeln kann und der Pflege ein höherer Stellenwert zugemessen wird, weil sie von interprofessionellen Teams geleistet wird. Über den Ausbau ambulanter Hilfen in Wohnquartieren, in denen sich Tag und Nacht dafür ausgebildete Menschen um Pflegebedürftige kümmern und pflegende Angehörige entlasten. Ein Beispiel ist das Projekt „Präsenz“, das in Zusammenarbeit mit Kommunen dauerhaft installiert werden soll. Ein Baustein: „Eine Art Kita für Alte“ für die Tagespflege.
Im Publikum der von Susanne Bay moderierten Veranstaltung meldeten sich viele Fachleute zu Wort. Etwa mit der Frage, wie der eklatante Mangel an Personal in Pflegeberufen behoben werden soll. „Wir müssen richtig etwas tun“, stellte Bärbl Mielich klar. Einen Schlüssel sieht sie darin, dass die Pflegeausbildung mit der 2020 in Kraft tretenden Neuorganisation attraktiver gestaltet wird. Eine generalistische Grundausbildung, auf die im dritten Ausbildungsjahr eine Spezialisierung in Kinder-, Alten- oder Krankenpflege folgt, soll Pflegekräften mehr Flexibilität in ihrem Berufsleben geben. Damit einher geht im Idealfall, dass diese sich nicht mehr nach weniger als zehn Jahren in einem eigentlich geliebten Beruf ausgebrannt fühlen und den Einrichtungen verloren gehen. „Das Sozialministerium entwickelt das Curriculum jetzt einheitlich, das wird sich verbessern“, ist sich Mielich sicher. Ob die Defizite in der Personalversorgung der Krankenhäuser aber durch neue Berechnungsgrundlagen verbessert werden können, wurde hitzig diskutiert.
Die Forderung, die ein Pflege-Profi sicher stellvertretend für viele vertrat, betraf die dringend notwendige Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Pflege. „Da rennen Sie bei mir offene Türen ein“, pflichtete Mielich ihm bei. Die Staatssekretärin sieht keine einfachen Lösungen für ein lange schon krankes Gesundheitssystem, sondern verwies darauf, wo das Land als Mittler zwischen Bundesgesetzgebung und Praxis eingreifen kann – etwa, wenn in den Regierungspräsidien die richtigen Weichen gestellt werden für die Anerkennung ausländischer Arbeitskräfte, die es auch in der Pflege dringend braucht. Ganze Kataloge von Forderungen stellten Vertreterinnen ambulanter Pflegedienste vor und auch hier benannte Mielich die zum Teil eng gesteckten Eingriffsmöglichkeiten des Landes: Vieles werde zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern unbefriedigend verhandelt. Mehr Wertschätzung für Pflegekräfte, die sich auch monetär niederschlägt, ist das große Ziel, das über allen Maßnahmen steht, für die sich Mielich einsetzt. Von der Einrichtung einer Pflegekammer, für die sich eine Mehrheit der Pflegekräfte aussprach und die bis Ende 2019 gesetzlich verankert werden soll, verspricht sich die Politikerin immerhin, dass die Berufsgruppe sich mehr Gehör beim Bund verschaffen kann. Bis gleiche Lohnverhältnisse etwa mit Facharbeiter*innen der Metallbranche hergestellt sein werden, werde es noch viele Diskussionen aller Akteure brauchen, blickte Mielich in die Zukunft der Pflege. Ihre Aufgabe sieht sie darin, an den zugänglichen Stellschrauben zu drehen und für ein politisches Klima zu sorgen, das ernsthaft und fest die dringenden Bedürfnisse der Menschen im Blick hat.

Initiates file downloadDen Bericht aus der Heilbronner Stimme zu dieser Veranstaltung lesen sie hier.

Lärmschutz - für viele ein Bedürfnis

Bericht zu „Offen gesprochen“ mit Thomas Mahrwein

„Lärm ist Gestank im Ohr“, das war die Erkenntnis des US-Schriftstellers Ambrose Bierce bereits im 19. Jahrhundert. Dass Lärm darüber hinaus auch schwere gesundheitliche Folgen haben kann, referierte Thomas Marwein, MdL, seit 2016 Lärmschutzbeauftragter der Landesregierung, auf Einladung seiner Grünen Fraktionskollegin Susanne Bay, MdL, bei „offen gesprochen mit den Grünen“. An den Lärmschutzbeauftragten können sich alle Bürgerinnen und Bürger mit ihren Anfragen rund ums Thema Lärm wenden. Bei den geschilderten Problemen geht es vielfach um Verkehrslärm, aber auch Lärm aus der Nachbarschaft und Freizeitlärm ist für viele ein Problem. Motorradlärm und röhrende Autoauspuffanlagen werden als besonders lästig empfunden, weil sie aus technischen Gründen eigentlich nicht nötig sind, sondern hier die dezibelmäßige Entfaltung einzelner anderen die Ruhe raubt. „Ich bin gut beschäftigt und kann doch vielen Menschen durch das Dickicht der zahlreichen Gesetze und Regelungen helfen, die es zum Thema Lärm gibt“, so Thomas Marwein zu seiner Arbeit. Das Land Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, in dem es einen Lärmschutzbeauftragten gibt. „Die Fülle der Anfragen zeigt mir, dass Lärmschutz ein Thema ist, das wir zu Recht bearbeiten“, ist Marwein überzeugt.