Stadtverband Heilbronn
drucken

Planungsamt beugt sich Baulobby

 

Wie eng das Planungs- und Baurechtsamt unserer Stadt mit der Bauwirtschaft verflochten ist, wird in Heilbronns Osten deutlich. So wird aus dem herrlichen Park des Jägerhaus-Krankenhauses ein stark verdichtetes Wohngebiet und 23 geschützte stattliche alte Bäume verschwinden. Geht es nach der Verwaltung, sollen an der Jägerhausstraße Richtung Seelesberg vier Wohnhäuser in zweiter Reihe auf einer Streuobstwiese entstehen und das ehemalige Kölle-Verwaltungsgebäude Ecke Einsteinstraße durch ein Hochhaus ersetzt werden. So versiegen Quellen für Frischluft und ihre Zugbahn wird abgeriegelt.

 

Auch die Bebauung in Horkheim „Bei dem Schloss“  ist ein Beispiel für punktuelles „Durchwursteln“ statt schlüssigem Gesamtkonzept. Gegen den Willen des Landesdenkmalamts und gegen die GRÜNEN-Stimmen im Gemeinderat soll hier wegen ein paar Wohneinheiten ein einmalig schöner Ortsrand verbaut werden.

 

Freiburg und Tübingen haben mit dem „Quartier Vauban“ und dem Französischen Viertel vorgemacht, wie umweltfreundlich und innovativ Areale umgenutzt werden können. Trotz weitgehendem Erhalt bestehender Gebäude und des alten Baumbestands wurde eine hohe Wohndichte erzielt. Leitlinien sind autofreies Wohnen mit Spiel- statt Stellplätzen, attraktive Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität, energiesparendes Bauen und Solararchitektur sowie große Akzeptanz durch intensive Bürgerbeteiligung. Der Zuzug junger und kinderreicher Familien sowie die vielfache Preiskrönung der Viertel belegen die Erfolge. Neue Bodenversiegelung, die sommerliche Wärmeinseln und teure Regenrückhaltemaßnahmen verursacht, wird minimiert.

Umweltinteressen haben bei der Stadt in Heilbronn leider eine schwache Lobby. Mit der Zuständigkeit des Planungs- und Baurechtsamtes für den Umweltschutz hat man den Bock zum Gärtner gemacht. Bei dieser Interessenkollision bedarf es wenigstens einer starken gemeinderätlichen Aufsicht. Deshalb werden wir GRÜNEN in den kommenden Haushaltsberatungen die Wiedereinführung eines Umweltausschusses beantragen.
Mit den dadurch entstehenden Kosten, die deutlich unter 5000 € im Jahr liegen werden, sollte dieser Antrag nicht an den Finanzen scheitern.